Vorne: Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Marx, Sprecher des Telemedizinzentrums der Uniklinik RWTH Aachen; mitte (v. l.): Prof. Dr. med. Thomas H. Ittel, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik RWTH Aachen, Dr. Beate Wieland, Leiterin der Abteilung Forschung und Technologie im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Rudolf Henke (MdB), Präsident der Ärztekammer Nordrhein und Stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Stefan Uhlig, Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied der Uniklinik RWTH Aachen, Günter van Aalst, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in NRW; hinten: Dipl.-Kfm. Peter Asché, Kaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied der Uniklinik RWTH Aachen, in den neuen Räumlichkeiten des Telemedizinzentrums am Campus-Boulevard.

 

Das Projekt TELnet@NRW hat sich zum Ziel gesetzt, ein sektorübergreifendes digitales Netzwerk aufzubauen, um die Patientenversorgung in der Infektiologie und Intensivmedizin zu verbessern und effizienter zu gestalten. Dafür wird das Projekt mit rund 20 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. Das Projekt ist im Februar offiziell gestartet.

Zunächst ging es darum, während dieser Zeit einerseits medizinische bzw. Patienteninformationen aus dem ambulanten und stationären Bereich vor Einführung der telemedizinischen Intervention zu erfassen, um eine umfassende Vergleichsgrundlage herstellen zu können. Zudem mussten die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung der digitalen Anwendungen geschaffen werden. Dazu gehörten etwa die Beschaffung der dazugehörigen Technik, die Schulung der Fachkräfte im ambulanten und stationären Bereich und die Etablierung einer funktionierenden Kommunikationsstruktur, um den gegenseitigen Austausch zwischen den Projektbeteiligten zu fördern.

Auftaktveranstaltung im neuen Telemedizinzentrum des UK Aachen

Am Mittwoch nun fiel der Startschuss für die Interventionsphase des Projektes. Einen feierlichen Rahmen bot dafür die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des Telemedizinzentrum des UK Aachen. Die Referenten der Veranstaltung - u. a. Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein und stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages - betonten in ihren Vorträgen die Bedeutung der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen und machten auf die Chancen aufmerksam, die mit telemedizinischen Diensten verbunden sind. Die Referenten und Teilnehmer waren sich einig darin, dass angesichts der Herausforderungen, vor denen das Gesundheitswesen steht - etwa die Zunahme älterer und chronisch kranker Menschen oder eine zunehmende ungleiche Verteilung von Krankenhäusern und Arztpraxen - die Versorgung vor Ort flexibler und passgenauer werden muss. Prof. Gernot Marx, Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care sowie Projektleiter von TELnet@NRW betonte die Bedeutung digitaler Anwendungen gerade in der Infektiologie und Intensivmedizin:

„Es gibt bundesweit rund 300 in Krankenhäusern tätige Infektionsexperten. Damit ist klar, dass nicht jedes Krankenhaus diese Expertise vorhalten kann. Und das wollen wir mit TELnet@NRW auffangen, denn in der Intensivmedizin ist eine rasche Diagnose und Therapie oft lebensrettend für die Patienten.“

Um Projekte wie TELnet@NRW bzw. andere nutzenstiftende telemedizinische Anwendungen voran zu bringen und flächendeckender einsetzen zu können, bietet der Innovationsfonds gute Grundlagen. Günter van Aalst, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in NRW und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) merkte jedoch auch mit Blick auf die Zukunft kritisch an:

„Die Verfahren zur Regulierung sind hochkomplex und bergen das Risiko, Innovationen frühzeitig auszubremsen. Was wir brauchen, ist ein transparenter und unkomplizierter Weg, um digitale Versorgungsprodukte auf den Markt zu bringen.“

Ziel ist die Regelversorgung

Damit das Projekt nach Auslaufen der Förderung nicht in der Schublade verschwindet, nimmt die Evaluation eine zentrale Rolle ein. Der Evaluationsverbund, bestehend aus der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Uni Bielefeld und der ZTG GmbH, analysiert dabei, inwiefern die Projektziele einer optimierten Gesundheitsversorgung im intensivmedizinischen und infektiologischen Bereich tatsächlich erreicht werden konnten. Dabei spielen medizinische, (gesundheits-)ökonomische sowie Patientenparameter (z.B. die gesundheitsbezogene Lebensqualität) eine entscheidende Rolle.
Die Projektpartner setzten darauf, dass bei positiven Projektergebnissen telemedizinische Leistungen in der Intensivmedizin und Infektiologie Eingang in die Regelversorgung finden und damit regulär von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet werden.

Vertragsunterzeichnung

Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Telemedizinzentrums und dem Start der Interventionsphase von TELnet@NRW wurden von den Projektpartnern auch die notwendigen Formalia erledigt. Die Kooperationspartner waren sich nach Vertragsunterzeichnung einig, dass durch die gemeinsame und konzentrierte Arbeit aller Beteiligten das Projekt zu einem Erfolg über die Förderphase hinaus werden kann.

Quelle: UK AachenQuelle: UK Aachen

Bilder: UK Aachen
Quelle: UK Aachen