Quelle: welt.de – Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) und Mitglied des ZTG-Forums Telemedizin, hat in einem Interview über die aktuelle Lage rund um das Coronavirus COVID-19 gesprochen. So sei das Gesundheitssystem zwar noch gut aufgestellt, eine voreilige Lockerung der aktuellen Einschränkungen sehe er jedoch kritisch. Das Virus sei ein „tückischer Gegner“.

Zu den Patienten, die derzeit in der RWTH Aachen behandelt werden, sagte er: „Die Patienten, die bei uns aufgenommen werden, sind wirklich schwer krank. Viele von ihnen müssen intensivmedizinisch behandelt und invasiv beatmet werden, und zwar nicht nur für ein paar Tage, sondern oft für zwei, drei, manchmal sogar vier Wochen. Die besonders schweren Fälle benötigen eine Organersatztherapie, eine sogenannte ECMO, bei der eine Maschine außerhalb des Körpers die Funktion der Lunge übernimmt. Und auch danach können viele von ihnen nicht einfach wieder nach Hause gehen, sondern müssen langsam von den Beatmungsgeräten entwöhnt und anschließend in Reha-Kliniken behandelt werden.“

Die Uniklinik baue zudem seit Jahren verstärkt den Einsatz von Telemedizin aus. Mit dem Start des Virtuellen Krankenhauses NRW am 30. März zeigen sich die positiven Auswirkungen: „Wir haben dieses Projekt vor acht Jahren gestartet, also lange vor Covid-19, und auf diese Weise ein Netzwerk für die intensivmedizinische Versorgung in NRW aufgebaut und gemeinsam mit der UK Münster insgesamt schon bei weit mehr als 10.000 Intensivpatienten telemedizinisch beraten. Mit dem Ausbruch der Pandemie haben wir den Aufbau dieser virtuellen Klinik dann enorm beschleunigt. Unser Ziel ist es, auch in kleineren Häusern ausreichend Expertise zu schaffen, damit die Patienten auch dort und eben nicht nur bei Maximalversorgern versorgt werden können. Wir haben in den ersten zehn Tagen seit dem Start bereits über 200 Corona-Konsile durchgeführt und über Laptop, Kamera und Mikrofon Patienten beurteilt und Therapieoptionen mit den Ärzten vor Ort besprochen“, so Marx.

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