Telemedizinisches, intersektorales Netzwerk als neue digitale Gesundheitsstruktur zur messbaren Verbesserung der wohnortnahen Versorgung

Hintergrund und Ziele

Die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger mit hoher Qualität und Zugänglichkeit in jeder Region stellt das Gesundheitswesen vor zunehmende Herausforderungen. 2030 werden in Deutschland voraussichtlich über 100.000 Ärztinnen und Ärzte fehlen und schon jetzt weist Deutschland EU-weit die älteste Bevölkerung auf. Vor diesem Hintergrund muss die Versorgungsstruktur durch flexibler und leistungsfähiger werden. Digitale Anwendungen stellen hierfür ein probates Mittel dar.

Das Ziel von TELnet@NRW ist der Aufbau eines sektorenübergreifenden telemedizinischen Netzwerks als neue digitale Versorgungsform. Durch regelmäßige Televisiten, eine 24/7-Verfügbarkeit sowie begleitende Fortbildungen der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte stellt TELnet@NRW den teilnehmenden Krankenhäusern und Praxisnetzen Expertinnen- und Expertenwissen von zwei Universitätskliniken zur Verfügung. Auf diese Weise wird zusätzliche und hochspezialisierte ärztliche Expertise und Kompetenz bedarfsgerecht und kosteneffizient am jeweils notwendigen Ort zur Verfügung gestellt. Beispielhaft implementiert in der Infektiologie und Intensivmedizin werden durch das Projekt Strukturen und Prozesse optimiert, so dass die Behandlungsqualität und die Effizienz der Versorgung relevanter Patientinnen- und Patientengruppen messbar steigen.

TELnet@NRW sichert eine 24-stündige Verfügbarkeit intensivmedizinischer Expertinnen und Experten und eine flächendeckende Umsetzung medizinischer Leitlinien in der Infektiologie und Intensivmedizin. Vorarbeiten aus dem Projekt „TIM – Telematik in der Intensivmedizin“ konnten bereits zeigen, dass diese Form der telemedizinischen Mitbehandlung technisch und organisatorisch umsetzbar ist, einen messbaren Nutzen für Patientinnen und Patienten hat und bei diesen auf breite Akzeptanz stößt.

Evaluation und wissenschaftliche Begleitung

Die Evaluation des Projektes ist ein zentrales Element und erfolgt im Verbund zwischen der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH aus Bochum. Durch eine prospektive Längsschnittstudie im sog. „stepped-wedge Design“ wird bei ca. 40.000 Patientinnen und Patienten analysiert, inwiefern und in welchem Maß die Ziele der Versorgungsoptimierung im Bereich der Infektiologie und Intensivmedizin sektorenübergreifend erreicht werden. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer werden aus einem der 17 beteiligten Krankenhäuser, zwei Ärztenetzen und zwei Universitätskliniken rekrutiert.

Wichtigstes Ziel ist dabei die Verbesserung der Behandlungsqualität, die insbesondere dadurch erreicht werden soll, dass die zehn Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden“ messbar häufiger umgesetzt werden. Im Fokus steht dabei vor allem ein angemessener Umgang mit Infektionen und  Antibiotika. Im Bereich der Intensivmedizin soll evaluiert werden, inwiefern durch das Projekt eine bessere Umsetzung von medizinischen Leitlinien zur adäquaten Behandlung der Sepsis (=Blutvergiftung) im klinischen Alltag erreicht werden. Die Senkung der Sterblichkeit von Sepsis-Patientinnen und -Patienten ist dabei ein wichtiges Kriterium.

Im Rahmen der Evaluation werden sowohl klinische als auch gesundheitsökonomische Parameter sowie die (gesundheitsbezogene) Lebensqualität der Patientinnen und Patienten analysiert. Als flankierende Maßnahme wird weiterhin die Technologieakzeptanz der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte untersucht. Der Einsatz und der Nutzen telemedizinischer Maßnahmen in der Intensivmedizin und Infektiologie werden somit umfassend evaluiert.

Stimmen zum Projekt

TELnet@NRW wird ein sektorenübergreifendes und lebendiges Qualitätsnetzwerk schaffen unter dem Motto „Gemeinsam kompetenter“. Diese digitale Vernetzung wird in der Infektiologie und Intensivmedizin eine hohe Effizienz und Behandlungsqualität zum Wohle der Patient*innen 24/7 auch in der Zukunft sichern.

Prof. Dr. med Gernot Marx

Klinikdirektor Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care, Universitätsklinikum Aachen

Das Projekt TELnet@NRW zielt auf eine flächendeckende Verbesserung der Behandlungsqualität. Hochspezialisiertes Expertenwissen wird für die Menschen verfügbar gemacht. Oft muss der Patient nicht mehr transportiert werden – die Expertise kommt zu ihm. Ein erlebbarer Nutzen für die Menschen!

Günter van Aalst

Leiter der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender des „Forums Telemedizin“ der ZTG GmbH

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